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Die Sache mit der Branntweinsteuer »
Was so alles im Korn steckt
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Heinrich Jankrifts Kühe
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Was ist los auf dem Acker?

Die Sache mit der Branntweinsteuer

Die Branntweinsteuer beträgt z.Zt. 13,03 € je Liter reinen Alkohol.

Sie wird ausschließlich auf "gebrannte" Alkohole - also Spirituosen - erhoben, nicht aber auf den Alkohol in Bier oder Wein. Es ist zwar sachlich nicht nachzuvollziehen, warum Alkohol einerseits gar nicht und andererseits z.B. im Korn so hoch besteuert wird (Alkohol ist Alkohol, da gibt es keinen chemischen Unterschied), aber es würde ja ohnehin niemand ernsthaft behaupten, daß Steuern etwas mit Logik oder gesundem Menschenverstand zu tun hätten.

(Bemerkung am Rande: Wir erfreuen uns auch heute noch an der Sektsteuer
(1,19 € je 0,75 L Flasche), die seinerzeit eingeführt wurde,
um Kaiser Wilhelms Flotte zu finanzieren.
Seitdem sind zwei Weltkriege über das Land gegangen, eine Vielzahl von Regierungen unterschiedlichster politischer Ausrichtungen hat ihr Glück versucht, eine Flotte hat Deutschland schon lange nicht mehr, einen Kaiser auch nicht - aber immerhin noch des Kaisers alte Steuer !).

2,92 Euro! Die Branntweinsteuer beträgt z.B. pro 0,7 L-Flasche
mit Weizenkorn 32 %vol
stolze 2,92 €!
Bei einem angenommenen Ladenverkaufspreis dieser Flasche von 5,49 € beträgt der Anteil von Branntwein- und Mehrwertsteuer 2,92 + 0,76 = 3,68 €.
Das ergibt einen Anteil dieser beiden Steuern am Verkaufspreis von satten 67 %.
Diagramm: Anteil Branntweinsteuer

Aus der für Hersteller und Händler verbleibenden Bruttomarge von 1,81 € sind zunächst einmal die Herstellungs-, Vertriebs- und Handelskosten zu decken. Da niemand von Luft und Liebe lebt, benötigen Hersteller wie Händler einen Gewinn, aus dem dann wiederum verschiedenste weitere Steuern zu entrichten sind (z.B. Gewerbe-, Lohn- und Einkommenssteuer usw.).
Angesichts der desolaten Staatsfinanzen kann einem schon mal die sarkastische Idee kommen, daß unser Finanzminister den Verbrauchern eigentlich zu kräftigem Spirituosenkonsum raten müßte. Jeder "Schluck" spült bares Geld in seine Kasse. 
Ähnlich "lukrativ" - wenn nicht sogar noch interessanter - für den Finanzminister sind übrigens Rauchen, (Tabaksteuer),
Autofahren (Mineralölsteuer) und Spielcasinos oder Lotto (Glücksspiel-Steuer)...

 

Was so alles im Korn steckt


Für die Herstellung einer 0,7 L-Flasche
Weizenkorn mit 32 %vol werden etwa
13.000 Weizenkörner benötigt.

In einem "Kurzen"
(Glas mit 2 cl / 0,02 L)
stecken damit rund 370 Weizenkörner!



In diesem Glas sind 5,1 g reiner
Alkohol.

Zum Vergleich: 0,2 L Wein mit 10 %vol
enthalten etwa 16 g, ein Glas Bier (0,3
L, 4,9 %vol) 11,4 g reinen Alkohol.

 

 

Heinrich Jankrifts Kühe

Nun, Sie werden sich fragen, was die Kühe unseres Nachbarn mit einer Kornbrennerei zu tun haben könnten?

Eigentlich ganz einfach:

Bei der Herstellung von Alkohol aus Getreide fällt als Rückstand die sogenannte Schlempe an; pro Liter reinem Alkohol etwa 13 Liter Schlempe. Diese ist ein sehr nährstoffreiches Viehfutter und wird von Rindern bestens verwertet, besser noch als von Schweinen.
In der Schlempe sind - außer Stärke - noch alle ursprünglichen Nährstoffe des Getreides enthalten. (Die Stärke wurde im Alkohol-Herstellungsprozeß zu Zucker umgewandelt und mittels Hefe zu Alkohol vergoren.).

Frische, warme Schlempe ist ein richtiger Leckerbissen für die Kühe.
Nachbar Jankrift mischt diese Schlempe mit Maissilage und Kraftfutter zu einer schmackhaften Futterration, die die Kühe gierig fressen. Jede Kuh erhält so etwa 20 Liter Schlempe pro Tag.

Und um gleich eventuellen Mißverständnissen vorzubeugen: In der Schlempe ist kein bißchen Alkohol mehr enthalten. Das Gerücht, hier lebten die lustigsten Kühe im ganzen Landkreis, ist somit nicht ganz ernst zu nehmen.